Wir wissen nicht genau, welcher Wettergott für die deutsche Nordseeküste zuständig ist. Aber egal, ob Ba´al, Petrus, Zeus, Thor oder Jörg Kachelmann, er war uns wohl gesonnen. Trocken, Sonnenschein und nahezu wolkenfrei. Der um die Jahreszeit doch recht frische Wind blies sehr unterschiedlich in Variationen zwischen 2 bis 5 Beaufort. Es war immer wieder erstaunlich, welche hochgezüchteten Speeddrachen sich in den Flauten des gemessenen Windes von 6-35 Km/h immer noch irgendwie durch die Luft bewegen lassen. Neben den einheimischen Piloten durften wir Teilnehmer aus Liechtenstein, Österreich und eine fünfköpfige Delegation aus Frankreich begrüssen. Der sechste Teilnehmer aus Frankreich, Eric Lincot, Mitorganisator der Drachenfeste Dieppe und Etretat musste leider kurzfristig gesundheitsbedingt absagen. Alles in allem eine gelungene internationale Mischung, in der grenzüberschreitende Vorurteile und Ressentiments sich einfach in Wind auflösen. Ein Wochenende unter Freunden, welches wie immer viel zu schnell vorbei ging.

 

Fahrerlager

 

Der Samstag fing sehr vielversprechend an und der Wind blies im ersten Lauf der Klasse 1 mit bis zu 35 Km/h. Die höchsten Werte bei diesem Lauf lieferten Laurent Morale mit 179 Km/h, Long Duong mit 163Km/h, beide mit einem Typhon, einer Neuentwicklung von Duong, sowie Marco Stoschek(Pop165), Mathias Cornelißen(Isotop 175) und Thoms Hewing(Liquid170) mit 156 Km/h.

 

 

Diese Werte sollten auch über den zweiten und dritten Lauf Bestand haben und konnten von den Kontrahenten nicht mehr verbessert werden. Der Typhon war ein Prototyp, mit Segel komplett in Mylarbauweise. Der Typhon soll 2011 verfügbar sein und vorraussichtlich ab Weihnachten 2010 nimmt Duong Bestellungen entgegen.

 

Typhon start

 

Überraschend aufgetaucht ist Peter Rieleit, einer der Urväter der Lenk- und Speeddrachenszene, der auch zahlreiche Baupläne veröffentlicht hat. Seine Baupläne basieren überwiegend aus Baumarktmaterial, da es zu der Zeit weder Internetdrachenshops, noch Verbinder, Stopper und Carbonstangen in unendlicher Auswahl gab. Trotzdem sind seine Vorlagen immer noch Grundlage und Inspiration für jeden, der sich tiefer in das Thema Lenkdrachenbau einarbeiten möchte. Peter nahm, da unangemeldet und spontan, ausserhalb der Wertung am ersten Lauf teil und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 130 Km/h. Dieses Ergebnis liegt zwar am unteren Ende der Resultate, ist aber insofern bemerkenswert, da sein Speedtaifun nicht aus aktuellen teuren Spezialtüchern und Carbonrohren besteht, sondern schon gute !20 Jahre! alt sein dürfte. Leider ist er ebenso schnell verschwunden, wie er aufgetaucht ist.

Der zweite Lauf der Klasse 1 am Samstag wurde dann nach zwei Dritteln der Teilnehmer aufgegeben, da der Wind immer weiter abnahm und die Sonne nicht gehindert werden konnte, hinter dem Deich zu versinken. Die Hoffnung auf bessere Resultate wurde auf Sonntag verschoben.

So konnten Aufregung und Spannung abklingen und der Tag bei einem gemütlichen Würstchengrillen mit Salatbuffet zu Ende gehen.

 


 

Am Sonntagmorgen startete erstmal die offene Klasse mit allem was nicht ins Reglement der Klasse 1 passt. Gespanne, Vierleiner, größere Drachen oder Klasse 1 Drachen an 60m Leinen. Schnellster war Maik Rumpa mit einer großen Trinity 210 (126Km/h), gefolgt von Mathias Cornelißen mit seinem Liquid 280 (121Km/h) und auf dem dritten Platz Michael Strobl mit einem Gespann aus Cougar und Tiger 2 (117Km/h).

 

 

Ergebnisse der freien Klasse:

Position

Name

min.Speed

Schnitt

max.Speed

Kite

01

Maik Rumpa

100

116

126

Trinity 210

02

Mathias Cornelißen

92

101

121

Liquid 280

03

Michael Strobl

104

109

117

Gespann Cougar+Tiger2

04

Heinz Gottschalk

105

108

113

S-Kite 1.5

04

Florian Walter

95

102

113

Gespann Liqiud 140+170

05

Stefan Gesell

98

102

110

S-Kite 0.9

06

Mark Rauch

97

101

108

Engel Speedy

07

Christoph Fokken

97

102

107

Atrax

07

Martin Matt

97

101

107

Tauros

08

Uwe Böhmer

78

91,6

104

Armageddon 223

09

Dominik Schäfer

91

94,6

101

Gespann SAS

09

Nils Röder

85

90,3

101

Gespann Torero

10

Thomas Hewing

85

90,1

98

Gespann Wilde Hilde

11

Benoit Boulant

61

78,1

94

Panther 2 an 60m

12

Laurent Morale

53

69,5

91

Panther 2 an 60m

13

Ingo Storm

71

76,3

82

Lycos

 

Für Michael war es die erfolgreichste Teilnahme überhaupt. Er belegte den dritten Platz in der freien Klasse, schaffte es mit seiner Eigenentwicklung Stealth 6 in der Klasse 1 auf den vierten Platz und gewann die Sonderwertung Best-of-Ten, bei der die Durchschnittsgeschwindigkeit der zehn höchsten Resultate eines Piloten innerhalb eines Laufes ermittelt wurde, mit einem Schnitt von 160 Km/h, ebenfalls mit dem Stealth 6. Ausserdem gebührt Ihm der erste Platz für die meisten gebrochenen Leitkannten. Überlieferungen zu Folge, soll er es an diesem Wochenende auf fünf zerstörte Stäbe gebracht haben. Seine Leistungen sind auch hervorzuheben, da er die ca. 1200 Kilometer Anreise angetreten hat, obwohl er sich erst eine knappe Woche zuvor beim Training eine Meniskusverletzung zuzog und so ein Bein nicht richtig belasten konnte. Respekt!

 

Freiherr

 

Best-of-Ten:

Position

Name

Geschwindigkeit/Schnitt

Kite

01

Michael Strobl

160

Stealth 6 160 Std.

02

Maik Rumpa

151

Trinity

03

Florian Walter

150

Tsunami

 



Es schienen im Vorfeld des Wettbewerbs so einige Kandidaten das Pech gepachtet zu haben. Als dritter Verletzter wäre noch Martin Matt aus Liechtenstein zu nennen, der sich drei Wochen vor dem Wettbewerb einen Bänderriss am Sprunggelenk zuzog. Auch er ließ sich dadurch aber nicht von einer erfolgreichen Teilnahme abhalten.


 

Anschließend fand der dritte und letzte Lauf der Klasse 1 statt. Laurent Morale konnte seinen Wert vom Vortag mit 179 Km/h nicht weiter verbessern, wurde aber auch nicht mehr vom ersten Platz verdrängt. Zwischen Ihn und Long Duong konnten sich aber vier weitere Teilnehmer drängen, welche somit die Plätze zwei bis fünf belegten. Auf den gesamtzweiten Platz kam Heinz Gottschalk mit einem Armageddon 165 Race und 173 Km/h. Auch er zerstörte bei einem Absturz eine Leitkante, was ihm nicht genügend Durchflüge für die Best-of-Ten Wertung bescherte. Die gemessenen Werte ließen darauf schließen, daß er in dieser Disziplin durchaus Chancen auf den ersten Platz gehabt hätte. Platz drei schließlich belegte Maik Rumpa mit seiner Trinity und 172 Km/h.

 

 

Ergebnisse der Klasse 1:

Position

Name

min.Speed

Schnitt

max.Speed

Kite

01

Laurent Morale

100

137

179

Typhon

02

Heinz Gottschalk

147

-

173

Armageddon 165 Race

03

Maik Rumpa

136

151

172

Trinity

04

Michael Strobl

149

160

169

Stealth 6 160 Std.

05

Florian Walter

144

150

166

Tsunami

06

Long Duong

56

146

163

Typhon

07

Martin Matt

133

141

160

Trinity

08

Thomas Hewing

137

147

156

Liquid 170

08

Tom Klar

136

145

156

Lycos

08

Mathias Cornelißen

74

141

156

Isotop 175

08

Marco Stoschek

69

134

156

Pop 165

08

Stefan Gesell

124

131

156

Armageddon

09

Christoph Fokken

131

141

153

Lycos

09

Mark Rauch

100

140

153

Bastard

09

Uwe Böhmer

127

137

153

Gorgon

10

Ingo Storm

126

136

152

Lycos

11

Michel Rohe

137

142

150

Tiger 2

12

Dominik Schäfer

131

137

147

Armageddon 165 UL

12

Petra Klett

79

116

147

Mustang

13

Benoit Boulant

123

130

146

Panther 2

14

Andre Eibel

121

132

140

Espadon

15

Julia Klett

121

127

139

Fear

16

Jean-Charles Le Lay

78

128

137

Mustang

17

Jochen Kleinblotekamp

79

120

133

Liquid 190 Strong

18

Nils Röder

108

118

131

Liquid 140 Mylar

19

Steffi Rauch

61

109

123

Gonzo 140

 

 

Nachdem beim letzen Speedkite Contest in Etretat/F die Podestplätze nach Deutschland gingen, freuen wir uns, dass der erste Platz nun in die entgegen gesetzte Richtung von Deutschland nach Frankreich geht. Revanche gelungen!

 

 

Die meisten der angetretenen Drachen stammten aus den Händen von Long Duong, Mark Rauch und Mathias Cornelißen. Maik Rumpas Trinity hatte sich schon seit dem ersten deutschen Wettbewerb bewährt und fliegt unverändert immer noch an der Spitze mit. Der Konstrukteur Christoph Fokken konnte sich mit seiner seit dem ersten Wettbewerb konsequent weiter entwickelten Speedmatte den neunten Platz sichern, welchen er sich mit zwei weiteren Piloten, welche ebenfalls eine Geschwindigkeit von 153 Km/h erreichten, teilt. Diese Lycos, welche von seinem Label Spiderkites gebaut und von der Firma Wolkenstürmer vertrieben wird, wurde extra für den Wettbewerb mit Alufolie versehen, da eine Matte naturgemäß nicht über Radarwellen reflektierende Stäbe verfügt. In den Händen von Tom Klar konnte ein weiteres Wettbewerbsmodell der Lycos sich mit 156 Km/h auf Platz acht platzieren, welcher fünfmal vergeben wurde. Die Leistungsdichte im vorderen Feld scheint von Wettbewerb zu Wettbewerb enger zu werden und für eine Matte ist das eine beachtliche Platzierung in Sichtweite der Spitzenreiter, welche doch einiges mehr an Materialwert aufbieten müssen um auf ihre Höchstleistung zu kommen. Ebenfalls auf Platz acht flog Marco Stoschek mit seinem selbst gebauten Pop165.

 

 

Der Sieger von Etretat, Christian Gebhardt, der dort erstmals die 200 Km/h Marke überschritten hatte, konnte leider ebenfalls kurzfristig nicht teilnehmen. Wir wären sehr gespannt auf seine neuesten Entwürfe gewesen.

 

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch der von Andre Eibel entwickelte Rapier. Dieser konnte sich zwar noch nicht unter die Spitzenreiter drängen, aber seine Konstruktion ist sehr schlank und weicht erheblich von den bisherigen Drachen ab. Wer weis, ob diese Klinge nicht bei stärkerem Wind erheblich schärfer zusticht?

 

 

Einen Sonderpreis für sein Lebenswerk und viele Inspirationen konnten wir an Long Duong übergeben. Er baut seit ca. 30 Jahren Drachen und sein Ziel war immer kompromisslose Geschwindigkeit. Eigenständige Merkmale seiner Konstruktionen sind die gekrümmte Nase und ein Anti-Boe-System, welches Windstöße abfedert und einen gleichmäßigeren Flug ermöglicht. Long erkrankte vor einigen Jahren an einer Augenkrankheit, welche ihm mehr und mehr das Sehvermögen raubte. Schließlich war Drachen bauen und fliegen nicht mehr möglich und seine Entwicklungen, zumal auch selten, wurden zu Legenden in der Szene. Dann wagte Long eine Operation und er gewann sein Sehvermögen wieder zurück. So tauchte er auch auf dem Speedkitewettbewerb in Etretat/F auf, wo wir Ihn persönlich kennen lernen durften (siehe Bericht Etretat 2009). Sein Mut ist ungebrochen, er sprudelt mit seinen 61 Jahren vor Ideen und Tatendrang und wird uns auch in Zukunft garantiert noch mit hervorragenden Speedkites in Kleinserien erfreuen.

 

 

 

Neuinfiziert vom Speedkitevirus wurde vor Ort die Familie Klett, welche sich mit Petra und Tochter Julia spontan zur Teilnahme überzeugen ließen, während Vater Klett den Losverkauf für die von Christoph Fokken gespendeten Drachen übernahm. Besonderer Dank an dieser Stelle auch für die am Morgen zur Verfügung gestellte Kaffeemaschine der Familie Klett, welche so einigen Kitern erstmal auf die erforderliche Betriebstemperatur verhalf.

 

 

Außerdem danken möchten wir vom Orga-Team:

- dem Roten Kreuz für das Zelt,

- Michael Tiedke für das Sponsoring beim Zelt und seine Unterstützung vor Ort,

- der Kurverwaltung Dornum/Dornumersiel für die freundliche Unterstützung rund um das Gelände und die Hilfe, für einige Piloten noch kurzfristig eine Unterkunft zu finden,

- Christoph Fokken für die gespendeten Drachen für die Verlosung und das Sponsoring der Pokale,

- Johannes Wolfen für die Herstellung der Pokale(Rami, ohne Worte, einfach Super!),

- unserem Moderator Holger,

- und allen freiwilligen Helfern rund um das Event, ohne die es wieder einmal nicht möglich gewesen wäre.

 

Wir freuen uns schon auf 2011!

 

Hier der Bericht von Michael Strobl

 
 
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